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  • Platt gekürt

    Joseipesdag

    Hört doch, fiar wian is dann dat schöüne Lüen-

    Sou fierlich, jez in d’r Fastentiet?

    Wei sou fraot, diamme könnt i ruhig sihen:

    „Dat weit doch jeiderein hi wiet un siet.”

    Du möchtest diek jou eigentlich wat schlämmen,

    T`fraogen äs de reinst Unvernunft.

    lek wellt di owwer nit fiar Üewwel niammen,

    Du bis jou ouk kein Metglied van d’r Zunft.

    Wann in d’r Mäte sou de Klocken singet,

    Dann hört met doch ut jeidem vollen Toun,

    Dei in dian stillen Fieraowend klinget;

    Dat gilt d’r Bauzunft iarrem Schutzpatroun.

    Nu waoret stille, summend, ganz van wihem

    Kam noch d’allerleste Klockenschlag,

    As mahnede uns an vergaone Tihen,

    An dei, dei viar uns fierden Joseipesdag.

    Und hier die Übersetzung in das Hochdeutsche:

    Josefstag

    Hört doch, für wen ist denn das schöne Läuten

    So feierlich, jetzt in der Fastenzeit?

    Wer so fragt, dem könnt ihr ruhig sagen:

    “Das weiß doch jederein hier weit und breit.”


    Du müsstest dich ja eigentlich (was) schämen,

    Zu fragen wie die reinste Unvernunft.

    Ich will’s dir aber nicht für Übel nehmen,

    Du bist ja auch kein Mitglied in der Zunft.


    Wenn in dem Märzen so die Glocken singen,

    Dann hört man’s doch aus jedem vollen Ton,

    Der in den Feierabend klinget:

    Das gilt der Bauzunft ihrem Schutzpatron.


    Nun war es stille, summend, ganz von weitem

    Kam noch der allerletzte Glockenschlag,

    Als mahnte er uns an vergangene Zeiten,

    An die, die vor uns feierten Josefstag.


    Der Text ist aus dem Nachlass von Ferdinande Laymann; die Übersetzung fertigte Hubert Wacker +

    Mine Hielligen Drei

    Obwohl der Tag schon vorbei ist, fanden wir das Gedicht von Ferdinande Laymann dennoch so interessant, dass wir es als Februar-Text veröffentlichen:

    Mine Hielligen Drei

    Jao, Frögger, dao lagte sou daipen Schnei

    Ob Hielligen Drei,

    Wann de Staren noch houge am Hiemmel stonk,

    Unse Mutter alt schwind in de Fröühmisse gonk.

    Dann sog iek se kommen diar’n daipen Schnei

    Üewwern Schnellmerich runder, mine hielligen Drei.

    Nu wor’n se alt op d’r hingersten Brüggen.

    Se reiten Kamele met dian puckeligen Rüggen

    Un einer sougar sät ob” m Elefant.

    Soun schwuarten Kruskopp holFn Toum in d” r Hand:

    Sou kamen se aan äs groute Hären,

    Un allen viarrop dei helle Stären

    Bleif grad buar d’r Hospitaolskiarken staohn -

    „Hi is dat Kind, hi mofFvi rinnergaohn.”

    Sou sagten dei Küennige, brachten Wierouk un Gold

    Un Myrren un waoren kein bietchen stolt.

    Dat Chriskinneken nickede ne fröndlich tau,

    Un ouk sine Mutter, unse leiwe Frau.

    Iek dachte, dat seih” k mi düen Nummedag aan,

    Dao hordek, dat de Mutter alt wiherkam.

    Sei kloppede sie eiest dian Schnei vannen Sualen,

    Toug d’n Mantel ut, lagte noch Holt un Kualen

    Ob n Heerd, taufruaren wor’n Bigge un Diek,

    An dian Finsterschiewen lisblaumen un Riep.

    Klafterdaip lagte de Schnei.

    Dann raip se diart Hus.”Mine Hielligen Drei!”

    Sou bout nie Dreiküennige de Dagestiet,

    Owwet Düendaa noch Bruk is weit iek nit.

    Jao Frögger, dao lagte sou daip de Schnei

    Ob Hielligen Drei.

    Und hier – wie immer-  für die des Attendorner Platt nicht Mächtigen die Hochdeutsche Übersetzung:

    Meine Heiligen Drei

    Ja, früher, da lag so tiefer Schnee

    Auf Heiligen Drei,

    Wenn der Stern noch hoch am Himmel stand,

    Unsere Mutter schon geschwind in die Frühmesse ging.

    Dann sah ich sie kommen durch’n tiefen Schnee

    Über’n Schnellenberg runter, meine heiligen Drei.

    Nun war’n sie schon auf der hintersten Brücke.

    Sie ritten Kamele mit den buckligen Rücken.

    Und einer sogar saß aufm Elefant.

    So’n schwarzer Krauskopf hielt’n Zaum in der Hand.

    So kamen sie an wie große Herren,

    Und allen vorauf der helle Stern

    Blieb grad über der Hospitalkirche steh’n -

    “Hier ist das Kind, hier müssen wir hineingehen.”

    So sagten die Könige, brachten Weihrauch und Gold

    Und Myrrhe und waren kein bisschen stolz.

    Das Christkind nickte ihnen freundlich zu,

    Und auch seine Mutter, unsere Liebe Frau.

    Ich dachte, das sehe ich mir heute Nachmittag an,

    Da hört’ ich, dass meine Mutter schon wiederkam.

    Sie klopfte sich erst den Schnee von’en Sohlen,

    Zog d’n Mantel aus, legte noch Holz und Kohlen

    Auf den Herd; zugefroren war’n Bigge und Teich,

    An den Fensterscheiben Eisblumen und Reif.

    Klaftertief (~l,5m) lag der Schnee.

    Dann rief sie durchs Haus: “Meine Heiligen Drei!”

    So bot man (an) Dreikönige die Tageszeit,

    Ob es heute noch Brauch ist, weiß ich nicht.

    Ja, früher, da lag so tief der Schnee Auf Heiligen Drei.

    Wintertag

    Nachdem wir bisher Gedichte und Dönnekes aus dem Band “Heymot” von Josefine Wagener-Zeppenfeld (Kannegeiters Fine) veröffentlicht haben, wollen wir uns ab jetzt zunächst den “Plattdeutschen Gedichten” von Ferdinande Laymann widmen. Die Texte entstammen dem Privatbesitz von Josef Hormes, der sie dem Verein für Orts- und Heimatkunde e.V.  vor seinem Tod überlassen hat. Die Übersetzung ins Hochdeutsche übernahm dankenswerter Weise Hubert Wacker+.

    Ferdinande Laymann wurde am 7.12.1884 in Attendorn geboren und verstarb im Alter von 94 Jahren in Solingen, wo sie Jahrzehnte lang ihrem Bruder, Dechant und Ehrendomherr, den Haushalt führte.

    Passend zur augenblicklichen Wetterlage beginnen wir mit ihrem Gedicht:

    ” Winterdag”

    Et schnigget un et früset
    Istappen hanget blenk
    Vam Firste raff un Renne
    Am ganzen Dake lang.

    Dann is et in d’r Stuawen
    Sou warem un schummerig,
    Grad tüsker Dag un Düster
    Is et luter wunnerlich.

    De Flocken fallt sou sachte,
    Se maket alles hell.
    Dat glänzet ouk bi Nachte;
    „Nu Mutter, komm, vertell.”

    Sou bialden vi de Mutter
    Ümme ein Geschichtchen aan;
    Se fonk dann ouk besinnlich
    Fort te verteilen aan.

    Van dian tweilf hilligen Nächten,
    Vam willen Jiaggersmann.
    Me hördene machmaol söchten
    In d’ r hollenbocker Klamm.

    Ouk van dian flitigen Hollen
    Un iarrer kleinen Welt
    Im hollenluacker Stollen;
    Se ackerden dat Feld

    Vam kranken Buer bi Nachte,
    Nit leider könn se seihn;
    Dat gönk sou fix sou sachte -
    Süß möchtense siek verteihn.

    Un van dian lustigen Zwiargen.
    Dai in diar daipen Schlucht
    Biem Schnellmerigge huset;
    Se straofeden jeiden Schuft,

    Dei fiar dei kleinen Hasen
    Un Reihe Schlingen liat,
    Met kuapperrouen Nasen,
    Datset nümaols mehr vergiatt.

    Ouk van dian guerren Riesen,
    Dei wuent faort niawenaan;
    Dat hett, vam Hollenluacke
    Dia’rn Biarg un manche Klamm.

    Bit nao diar grouten Höhle gien.
    Ungerem Stiattenbiarg,
    Dao finget me se wier,
    De Riesen un de Zwerg.

    De Ädmänneker, de Elfen
    Un dei verwünskede Fei.
    Dat glitzert un dat glimmert dao
    As’e listappen un Schnei.

    Hie fierden se iarre Feste
    Zigdusend Jaohre alt,
    Bit tweibeinigge Gäste
    Se verdreiwen met Gewalt

    So tougen üewwer de Biarge
    Bit in de Rüspe rinn,
    Ouk dao wät iarres Bliewens
    Nit allelang mehr sinn.

    Sou vertalte uns de Mutter
    Ut ganz, ganz aller Tiet;
    As noch dei guerren Geister
    Uns te helpen waor’n nit wiet.

    Dei Füermänneker danzeden
    Daobie wall an d’r Wand
    Sou ropp un raff un hiar un hien
    De ganze Stuawe lank.

    Am Enge kam ouk luter noch
    De Rousenkranz eiest dran,
    Un bi diam lesten Amen
    Stak de Mutter de Lampe aan.

    Siat nit t’wören solche Stunden
    Aohn’ Nutzen un Gewinn,
    Et liet fiart ganze Liawen
    Noch recht viell Siagen drinn.

    Und hier die Übersetzung von Hubert Wacker:

    Wintertag

    Es schneiet und frieret
    Eiszapfen hängen blinkend
    Vom First runter und Rinne
    Am ganzen Dache (ent-)lang.

    Dann ist es in der Stuben
    So warm und so schummerig,
    Grad zwischen Tag und Dunkel
    Ist es immer wunderlich.

    Die Flocken fallen so sacht,
    Sie machen alles hell.
    Das glänzet auch bei Nacht;
    “Nun Mutter, komm, erzähl.”

    So bettelten wir die Mutter
    Um ein Geschichtchen an;
    Sie fing dann auch besinnlich
    Gleich zu erzählen an.

    Von den zwölf heiligen Nächten,
    Vom wilden Jägersmann.
    Man hörte ihn manchmal seufzen
    In der Hollenbocker Schlucht.

    Auch von den fleißigen Hollen (Märchen-Frauen)
    Und ihrer kleinen Welt
    Im Hollenlocher Stollen,

    Vom kranken Bauer bei Nachte, Nicht jeder könn’ sie seh’n;
    Das ging’ so schnell so sachte -
    Sonst müssten sie sich verzieh’n.

    Und von den lustigen Zwergen,
    Die in der tiefen Schlucht
    Beim Schnellenberge hausen;
    Sie bestraften jeden Schuft,

    Der für die kleinen Hasen
    Und Rehe Schlingen legte,
    Mit kupferroten Nasen,
    Dass sie’s niemals mehr vergaßen.

    Auch von den guten Riesen,
    Die wohnen gleich nebenan;
    Dass heißt, vom Hollenloche
    Durch’n Berg und manche Schlucht

    Bis nach der großen Höhle hin.
    Unter dem Stürzenberge,
    Da findet man sie wieder,
    Die Riesen und die Zwerge.

    Die Erdmännchen, die Elfen
    Und die verwünschte Fee.
    Das glitzert und das glimmert da
    Wie Eiszapfen und Schnee.

    Hier feierten sie ihre Feste
    Zigtausend Jahre alt,
    Bis zweibeinige Gäste
    Sie vertrieben mit Gewalt.

    Sie zogen über die Berge
    Bis in die Rüspe rein,
    Auch da wird ihres Bleibens
    Nicht allzulang mehr sein.

    So erzählte uns die Mutter
    Aus ganz, ganz alter Zeit;
    Als noch die guten Geister
    Uns zu helfen war’n nicht weit.

    Die Feuermännchen tanzten
    Dabei wohl an der Wand
    So auf und ab und her und hin
    Die ganze Stub’ entlang.

    Am Ende kam auch immer noch
    Der Rosenkranz erst dran.
    Und bei dem letzten Amen
    Steckte die Mutter die Lampe an.

    Sagt nicht, es wären solche Stunden
    Ohne Nutzen und Gewinn,
    Es liegt fürs ganze Leben
    Noch recht viel Segen drin.

    Klein-Holland in Nout

    Klein-Holland in Nout

    Wann Gewitterwolken amme Hiawen hongen,

    De Kaih unrüggeliek imme Stalle stongen

    Un vamme Blitze belüchtet imme hellen Schiene

    Me fixe de Wäske nohm van der Liene:

    In Plangen Garen vame Sturm si-ek de Böüme bougen,

    Louse Steyne ut dr allen Mu-er flougen,

    De Ellern noh iarren Kingern raipen

    Un vie imme Sturme no Heyme laipen,

    Nohm de Mutter en gesiant Palmstrüßken in de Hand,

    Un unger Bian, wor et imme Uawen verbrannt.

    Wann dann vamme Hi-emmel de Waterschloatten

    In Massen si-ek in de Strooten goatten

    Un et Siepen in der Pote üewerquoll.

    Stongen Keller un Stuawen van Water voll.

    Uhmchens Anna flüchtere de Trappe rop,

    Im Café Reuber schwoammen de Staihle op em Kopp,

    Bi Rolls stongen de Kaih in der Tränke

    Un biem Schriener Sommer de Huawelbänke.

    In diam Isphordings Lager gi-egenüewwer

    Geng et met Scheppen drunger und drüewwer.

    Et Water drängere si-ek ut der Pote

    Noh Kannegeiters rop in de Schemperstrote.

    Et harre si-ek in de Keller goatten,

    Dat de Gemaisedüppen üewwerfloatten.

    Tuffelm danzeren tüsker Finster un Diarren

    Un de Appele mochten balle giatten weren.

    Fiar uns Kinger wor dat kain Grund te mulen,

    Me kre-ig ouk süss bluoß eynen, dai anfong te fulen.

    Wor et dann langsam hell amme Hiawen,

    Un dä si-ek dr Rian endli-ek giawen,

    Dann harren vie Kinger unse Tiet:

    Huassen un Schau ut un dann sou wiet

    as et geng, Rock un Butze opkrempelt.

    Do wor nit lange rümmehempelt:

    Met blecken Beynen int Water, en Platzken hin un hiar,

    Dai Jungens laipen op Stelzen derdiar.

    Komen ve dann endliek ut diam Water wier rut,

    Woren ve nat zeppelt bit op de Hut.

    Wat diam Eynen sing Uhl – wor in düesem Fall

    Fiar uns Kinger ne Nachtigall.

    Un in spätren Johren amme Nordseestrand

    Dacht i-ek biem Spi-ell in Water und Sand

    Noch geren an dian Badespaß in Klein-Holland.


    Und hier wie immer die Übersetzung ins Hochdeutsche:

    Wenn Gewitterwolken am Himmel hingen,

    die Kühe unruhig im Stall standen

    und vom Blitz im hellen Scheine beleuchtet wurden,

    nahm man fix die Wäsche von der Leine;

    in Plangens (Attendorner Familie) Garten sich vom Sturm die Bäume bogen,

    lose Steine aus der alten Mauer flogen,

    die Eltern nach ihren Kindern riefen

    und wie im Sturm (schnell) nach Hause liefen,

    nahm die Mutter ein gesegnetes Palmsträußchen in die Hand,

    und unter Beten wurde es im Ofen verbrannt (als Schutzopfer bei einem Sturm).

    Wenn dann vom Himmel die Wasserschleusen

    in Massen sich in die Straßen gossen

    und das Wasserauffangbecken in der Pforte (Stadttor in der Niedersten Straße) überquoll

    standen Keller und Stuben von Wasser voll.

    Ühmchens Anna (Attendorner Bürgerin) floh die Treppe rauf,

    im Café Räuber schwammen die Stühle auf dem Kopf,

    bei Rolls (Mertens) standen die Kühe in der Tränke

    und beim Schreiner Sommer die Hobelbänke.

    In dem Isphordings Lager gegenüber

    ging es mit Schöpfen drunter und drüber.

    Das Wasser drängte sich aus der Pforte (Stadttor in der Niedersten Straße)

    nach Kannegeiters rauf in die Schemperstraße.

    Es hatte sich in die Keller gegossen,

    dass die Gemüsetöpfe (Eingelegtes Gemüse in großen Tontöpfen) überflossen.

    Kartoffeln tanzten zwischen Fenster und Türen –

    und die Äpfel mochten bald gegessen werden.

    Für uns Kinder war das kein Grund zu maulen,

    wir bekamen auch sonst bloß einen, der anfing zu faulen.

    Wurde es dann langsam hell am Himmel,

    und tat sich der Regen endlich geben,

    dann hatten wir Kinder unsere Zeit:

    Hosen und Schuhe aus und dann so weit

    wie es ging Rock und Hosen hochgekrempelt.

    Da wurde nicht lange rumgehampelt:

    Mit Barfuss ins Wasser, ein Plätschern hin und her,

    die Jungen liefen auf Stelzen dadurch.

    Kamen sie dann endlich aus dem Wasser wieder raus,

    waren sie nassgespritzt bis auf die Haut.

    Was dem Einen seine Eule – war in diesem Fall

    für uns Kinder eine Nachtigall.

    Und in späteren Jahren am Nordseestrand

    dachte ich beim Spiel in Wasser und Sand

    noch gern an den Badespaß in Klein-Holland.

    Geschrieben: Juli 1984

    Anmerkung: Klein-Holland heißt bis heute das Stadtviertel um die Schemperstraße, das Anfang der 20-er Jahre unter Wasser stand.

    Der Text ist dem Band: „Heymot“ von Josefine Wagener-Zeppenfeld mit freundlicher Genehmigung der Familie Wagener, Bensberg entnommen.

    Ewig brennt ewig …
    -en Si-ech, dai bekannt
    noh diam eysten Weltkrieg in Staadt un Land.
    Hor me ter Untiet de Walze blosen,
    Soch de Füerwehr nohm Spritzenhus rosen,
    Dä de Füerglocke dumpe vame Toern lüen,
    Dann hor me blouß dat eyne si-en:
    Vie Kinger fix ut dem Huse stuawen,
    Mütter de Pötte op de Sye schuawen,
    Un de ganze Noweskop buten stong,
    Um te hören, wo et te brennen anfong.
    viv x in acht Johren, wu me liasen kann,
    Stong üewer Ewig der „roue Hahn“.
    Der grötteste Brand imme 23. Johr,
    As van Ewig nit vi-ell mehr üewerig wor:
    Alles vernichtet: et Schloatt, de Ställe
    Un ouk dai schöine alle Kapelle.
    As dann de Specksyen ut dem Ruke flougen,
    Makeren alle Lüe groute Ougen.
    Van Nout un Inflation bedrügget,
    Sohen se vielles terechterügget,
    Wat“, hor me syen, „un uns het se ro-en,
    De Tuffeln imme Kaffeprüett te bro-en“.
    Doch nu, imme niggen, störigen Kleyd,
    Sin ve all frouh, dat Ewig wier steyt.
    Und hier die Übersetzung:
    Ewig brennt ewig …
    -ein Spruch, der bekannt war
    nach dem Ersten Weltkrieg in Stadt und Land.
    Hörte man zur Unzeit (nachts) die Walze blasen (Sirene der Fabrik heulen)
    sah die Feuerwehr zum Spritzenhaus rasen,
    läutete die Feuerglocke dumpf vom Turm,
    dann hört man bloß das eine sagen: Es brennt! Es brennt!
    Wir Kinder stürmen schnell aus dem Hause,
    Mütter schieben die Töpfe auf die Seite (vom Herd),
    und die ganze Nachbarschaft stand draußen,
    um zu hören, wo es zu brennen begann.
    fünf Mal in acht Jahren, wie man lesen kann,
    stand über Ewig der „rote Hahn“ (Feuer).
    Der größte Brand im dreiundzwanzigsten Jahr (1923),
    als von Ewig nicht mehr viel übrig war:
    Alles vernichtet: das Schloss, die Ställe
    und auch die schöne alte Kapelle.
    Als dann Specksseiten aus dem Rauch flogen,
    machten alle Leute große Augen.
    Von Not und Inflation bedrückt,
    sahen sie vieles zurechtgerückt,
    Was“, hörte man sagen, „und uns haben sie geraten,
    die Kartoffeln im Kaffeesatz zu braten“.
    Doch jetzt, im neuen, feinen Kleid,
    sind wir alle froh, dass Ewig wieder steht.
    Geschrieben: Juli 1984

    Anmerkung:

    Das Gedicht beschreibt den großen Brand von Schloß Ewig
    bei Attendorn im Jahr 1923. Aus den lodernden Flammen kamen
    Köstlichkeiten zum Vorschein, die dort gehortet wurden und die der
    einfachen Bevölkerung zu dieser Zeit der bitteren Not verwehrt blieb.

    Der Text ist dem Band: „Heymot“ von Josefine Wagener-Zeppenfeld mit freundlicher Genehmigung der Familie Wagener, Bensberg entnommen.

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