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  • Platt gekürt

    Ewig brennt ewig …
    -en Si-ech, dai bekannt
    noh diam eysten Weltkrieg in Staadt un Land.
    Hor me ter Untiet de Walze blosen,
    Soch de Füerwehr nohm Spritzenhus rosen,
    Dä de Füerglocke dumpe vame Toern lüen,
    Dann hor me blouß dat eyne si-en:
    Vie Kinger fix ut dem Huse stuawen,
    Mütter de Pötte op de Sye schuawen,
    Un de ganze Noweskop buten stong,
    Um te hören, wo et te brennen anfong.
    viv x in acht Johren, wu me liasen kann,
    Stong üewer Ewig der „roue Hahn“.
    Der grötteste Brand imme 23. Johr,
    As van Ewig nit vi-ell mehr üewerig wor:
    Alles vernichtet: et Schloatt, de Ställe
    Un ouk dai schöine alle Kapelle.
    As dann de Specksyen ut dem Ruke flougen,
    Makeren alle Lüe groute Ougen.
    Van Nout un Inflation bedrügget,
    Sohen se vielles terechterügget,
    Wat“, hor me syen, „un uns het se ro-en,
    De Tuffeln imme Kaffeprüett te bro-en“.
    Doch nu, imme niggen, störigen Kleyd,
    Sin ve all frouh, dat Ewig wier steyt.
    Und hier die Übersetzung:
    Ewig brennt ewig …
    -ein Spruch, der bekannt war
    nach dem Ersten Weltkrieg in Stadt und Land.
    Hörte man zur Unzeit (nachts) die Walze blasen (Sirene der Fabrik heulen)
    sah die Feuerwehr zum Spritzenhaus rasen,
    läutete die Feuerglocke dumpf vom Turm,
    dann hört man bloß das eine sagen: Es brennt! Es brennt!
    Wir Kinder stürmen schnell aus dem Hause,
    Mütter schieben die Töpfe auf die Seite (vom Herd),
    und die ganze Nachbarschaft stand draußen,
    um zu hören, wo es zu brennen begann.
    fünf Mal in acht Jahren, wie man lesen kann,
    stand über Ewig der „rote Hahn“ (Feuer).
    Der größte Brand im dreiundzwanzigsten Jahr (1923),
    als von Ewig nicht mehr viel übrig war:
    Alles vernichtet: das Schloss, die Ställe
    und auch die schöne alte Kapelle.
    Als dann Specksseiten aus dem Rauch flogen,
    machten alle Leute große Augen.
    Von Not und Inflation bedrückt,
    sahen sie vieles zurechtgerückt,
    Was“, hörte man sagen, „und uns haben sie geraten,
    die Kartoffeln im Kaffeesatz zu braten“.
    Doch jetzt, im neuen, feinen Kleid,
    sind wir alle froh, dass Ewig wieder steht.
    Geschrieben: Juli 1984

    Anmerkung:

    Das Gedicht beschreibt den großen Brand von Schloß Ewig
    bei Attendorn im Jahr 1923. Aus den lodernden Flammen kamen
    Köstlichkeiten zum Vorschein, die dort gehortet wurden und die der
    einfachen Bevölkerung zu dieser Zeit der bitteren Not verwehrt blieb.

    Der Text ist dem Band: „Heymot“ von Josefine Wagener-Zeppenfeld mit freundlicher Genehmigung der Familie Wagener, Bensberg entnommen.

    Große Wäsche früher

    Im Rahmen unserer plattdeutschen Geschichten lassen wir diesmal Josefine Wagener-Zeppenfeld (Kannegeiters Fine) mit ihrer Schilderung der großen Wäsche in den zwanzigerJahren des vorigen Jahrhunderts zu Wort kommen:

    Groute Wäske frögger

    Wei weyt noch, wat dat viarn Wulhacken wor

    No diam eysten Weltkrieg, dai twintiger Johr.

    Sparen an allen Ecken un Engen,

    Jeyden Grosken dreimol ümmewengen.

    Eynmol groute Wäske in 14 Dagen

    Van Ellern, Lehrjungen und sechs Blagen.

    Waskepulver kannte me domols noch nit,

    Brune Seype un Soda un Bläue, wu ihr wiett.

    Sunnowends no diam Baden imme grouten Faat

    Wor dau widde Wäske ingesatt.

    Mundags dann rubbelt op diam Waskebriatt

    Un kom imme grouten Kiettel op en Hiad

    Taum Koacken. Doch bit et sowiet wor,

    Harre me siek naat zeppelt van dian Schaun bit in de Hoor.

    Un et ganze Hus noh Louge roak

    Vamme Keller ungen bit in den oawersten Stoack.

    Dat hoal sieck ouk amme Dienstag noch dran,

    Denn dann feng me met diam Wasken eys richtig aan.

    Ut diam Kiettel in en Faat un geruwwelt un geriewen,

    Kein Dreck un kein Fleck drofte üewwerig bliewen.

    Piene in den Beynen, imme Rüggen, vamme Stohn –

    Owwer Johmern? – Et mochte doch widder gohn.

    Um op der Bleike en Platz met te krien,

    Mochte ümme achte de Wäske do lien.

    Met em Leierwägelken wor se dojienne bracht

    Un schöin ordentliek op et Gras gelagt.

    Met Water ut diam Müellengraven begoatten,

    Wor düese Aktioun ne Wiele avschloatten.

    En klein Pröhlken noch met manchen Bekannten,

    Dai siek Dienstags op der Blaike tehoupe fanden.

    Wann de Sunne dann üewwer dem Walzwerk stong

    Un de Mü-elle siyck langsam te drian anfong,

    Un der Müellengraven schümend platzkere dohiar,

    As wör hai hie der üawerste Här,

    Un de Vüel in dian Promenadenböumen sungen –

    Dann wor de Mai-igkeit halv uewerwungen.

    Owwer de Wäske is domet noch lange nit proot,

    Do vie jo dat Bunte noch wasken mot:

    Fiardaiker un Huassen un Kleinigkeiten,

    Dotüsker noh der Blaike, dat Witte gaiten;

    Un dobie et Kuacken nit vergiatten,

    Et komen jo middags nieggen Lüe taum Iatten.

    Domols gaftet noch keine Knöppken taum Drücken:

    Alles met en Hängen, alles met em Rüggen.

    Klagen un Johmern – dat horten vie nü.

    O Mama, härrest du et eynmol sou guatt hat ase vie!

    Nummedags op dr Blaike dann de Spailaktioun,

    Ieck sin ase Kind do geren metgohn.

    Duett Gezeppel in diam Water, – plums, lagde me drin

    Un hüppere in der Sunne, um wier dröuge te sin.

    Wat hortest du Geschichten, dai schlechten un dai braven!

    Du alle Spailbank am Müellengraven!

    Wier te Heyme met diam grouten Wäskehoup,

    Genget dann drümme: wo hange ve se op?

    Bi Sunnenschien dä me se in den Garen drian

    Un süss: Zwei Trappen rop bit uawen op en Hian.

    Wor dann dat Wia schöun warem und klor,

    Nohm me Middewakes av, wat ald dröuge wor.

    Duennersdags, Fridags dä et wigger gohn:

    De näggeste Wulhackeaktioun:

    Dat Büeggeln!

    De Küssen op de rechte Si-e wenget,

    Dat kruse glatt strieket un alles insprenget,

    De Berrelaken fallen un faste tuan,

    Dat se biem Büeggeln fix firrig woan.

    Et Füuer imme Herde düchtig stoaken,

    Dat de Platten rout un de Piepen roaken,

    Domet dai Bolten ut diam Füer glüegeniek heyt

    Int Büeggelisern komen, wu me noch weyt.

    Un luter wesseln un stoaken dobie:

    Wat wor dat domols ne Schinderie!

    Un wat dä biem Strieken am genauesten hallen?

    Mannslüemanschetten, Kragen un Schmießchenfallen.

    Unse Mütter het all dat gere dohn,

    Dat der Vatter un Mann siek seyn loten konn.

    Wann de Wäske dann fierrig op em Huope lagde,

    De Mutter se selverr in et Wäskeschaap brachte.

    Wat sin ieck do geren met iar gohn,

    Düett alle Schaap harr et mi andohn.

    Alle Wäskestücke harren iar Plätzken fungen.

    Ümme dat Nigge wor en rousa Bängeken bungen.

    Un an jeydem Fach viardran ne Borde hong,

    Wodrop fin sticket dat Sprüekelken stong:

    Geblüht im Sonnenwinde,

    Gebleicht auf grüner Au,

    Liegt still es nun im Spinde

    Als Stolz der deutschen Frau.



    Große Wäsche früher

    Wer weiß noch, was das für eine harte Arbeit war

    nach dem Ersten Weltkrieg, die Zwanziger Jahre.

    Sparen an allen Ecken und Enden,

    jeden Groschen dreimal umdrehen.

    Einmal große Wäsche in 14 Tagen

    von Eltern, Lehrjungen und sechs Kindern.

    Waschpulver kannte man damals noch nicht,

    braune Seife und Soda und Bläue (Waschmittel), wie ihr wisst.

    Samstags nach dem Baden im großen Fass

    wurde die weiße Wäsche eingeweicht.

    Montags dann rubbelte auf dem Waschbrett

    und kam im großen Kessel auf den Herd

    zum Kochen. Doch bis es soweit war,

    hatte man sich nass gespritzt von den Schuhen bis zu den Haaren.

    Und das ganze Haus roch nach Lauge

    vom Keller unten bis in den obersten Stock.

    Das hielt sich auch am Dienstag noch dran,

    denn dann fing man mit dem Waschen erst richtig an.

    Aus dem Kittel in ein Fass und gerubbelt und gerieben,

    kein Dreck und kein Fleck durfte übrig bleiben.

    Schmerzen in den Beinen, im Rücken, vom Stehen –

    aber Jammern? Es musste doch weitergehen.

    Um auf der Bleiche einen Platz zu kriegen,

    musste um acht Uhr die Wäsche da liegen.

    Mit einem Leiterwägelchen wurde sie dahin gebracht

    und schön ordentlich auf das Gras gelegt.

    Mit Wasser aus dem Mühlengraben begossen,

    war diese Aktion nach einer Weile abgeschlossen.

    Ein kleines Schwätzchen noch mit manchem Bekannten,

    die sich dienstags auf der Bleiche zusammen fanden.

    Wenn die Sonne dann über dem Walzwerk stand

    und die Mühle sich langsam zu drehen begann,

    und der Mühlengraben schäumend dahin floss,

    als wäre er hier der oberste Herr,

    und die Vögel in den Promenadenbäumen sangen –

    dann war die Müdigkeit halb überwunden.

    Aber die Wäsche ist damit noch lange nicht fertig,

    da wir ja die Buntwäsche noch waschen mussten:

    Schürzen und Hosen und Kleinigkeiten,

    dazwischen nach der Bleiche, die Weißwäsche glätten;

    Und dabei das Kochen (Essen) nicht vergessen,

    es kamen ja mittags ungefähr neun Leute zum Essen.

    Damals gab es noch keine Knöpfchen zum Drücken:

    Alles mit den Händen, alles mit dem Rücken.

    Klagen und Jammern – das hörten wir nie.

    Oh Mama, hättest du es einmal so gut gehabt wie wir!

    Nachmittags auf der Bleiche dann die Spielaktion,

    ich bin als Kind da gern mitgegangen.

    Das Geplantsche im Wasser, plumps, lag man drin

    und hüpfte in der Sonne, um wieder trocken zu sein.

    Was hörtest du Geschichten, die schlechten und die braven!

    Du alte Spülbank (zum Knien) am Mühlengraben!

    Wieder daheim mit dem großen Wäschekorb,

    ging es darum: Wo hängen wir sie auf?

    Bei Sonnenschein hing man sie in den Garten

    und sonst: Zwei Treppen rauf bis auf den Speicher.

    War dann das Wetter schön warm und klar,

    nahm man mittwochs ab, was bereits trocken war.

    Donnerstags, freitags ging es weiter:

    Die nächste Gewaltaktion:

    Das Bügeln!

    Die Kissen auf die rechte Seite gedreht,

    das Verknickte glatt streichen und alles befeuchten,

    die Bettlaken falten und feste ziehen,

    dass sie beim Bügeln schnell fertig waren.

    Das Feuer im Herd tüchtig heizen,

    dass die Platten rot glühten und die Ofenrohre rauchten,

    damit die Bolzen (des Bügeleisens) aus dem Feuer glühend heiß

    ins Bügeleisen kamen, wie man noch weiß.

    Und immer wechseln und stochern dabei:

    Was war das damals eine Schinderei!

    Und worauf kam es beim Bügeln besonders an?

    Die Männer-Manschetten, Kragen und Chemisettchen (Zierleibchen).

    Unsere Mütter haben all das gerne getan,

    Dass sich Väter und Ehemänner sehen lassen konnten.

    Wenn die Wäsche dann fertig auf dem Stapel lag,

    die Mutter sie selber in den Wäscheschrank brachte.

    Was bin ich da gerne mit ihr hin gegangen,

    Dieser alte Schrank hatte es mir angetan.

    Alle Wäschestücke hatten ihr Plätzchen gefunden.

    Um das Neue (die frische Wäsche) war ein rosa Bändchen gebunden.

    Und an jedem Fach hing vorne an eine Borde,

    worauf fein gestickt das Sprüchlein stand:

    Geblüht im Sommerwinde,

    Gebleicht auf grüner Au,

    Liegt still es nun im Spinde

    Als Stolz der deutschen Frau.“

    Der Text ist dem Band: „Heymot“ mit freundlicher Genehmigung der Familie Wagener, Bensberg entnommen.

    Foto: Archiv Verein für Orts- und Heimatkunde Attendorn e.V.

    Schwimmsport damals …..

    Sommerzeit:  Ferien- und Badezeit, aus diesem Grund wollen wir Ihnen im August das Gedicht „Schwimmsport damals..“ von Josefine Wagener-Zeppenfeld aus dem Jahre 1928 nicht vorenthalten:

    Schwimmsport damals …

    Wann me terügge denket – viar fivtig Johren,

    As vie noch junge Backfiske woren,

    Hütigendags siett me Tenager un Twen,

    Frögger Röcke, jetzt Butzen drey Nr. te eng,

    Voll van Lust, mol üewer de Stränge te schlohn,

    Nit anders as bi jeder jungen Generation;

    Un Singen un Danzen un annern Klamouk

    Verstongen vie , wie Ih wiettet, ouk.

    De grötteste Sehnsucht imme Summer galt

    Ungerer ahlen Städtischen Badeanstalt:

    Ene Holzbaracke, üewer de Bigge monteert,

    Van uns Kingern geliebt un heyt begehrt.

    Dat Water wor selten üewer achtain Grod,

    Et „Daipe“ avtrannt met em Stücke Droht.

    Ümmekleyekabinen ohne Diar,

    Do hoall dann eyner en Handauk viar,

    Dat emme jo keiner im Hiemmede soch –

    Jo, viar fivtig Johren, do schiammede man sieck noch.

    Keine Bruse, kein Desinfektionsapperot,

    Fiar dei Bigge woren vie luter prot.

    Vir lahrten fix schwemmen met andern im Gerangel

    Oder bi em Bademester Höffer an der Angel.

    „Eins-zwei-drei, eins-zwei-drei“ hör ieck en noch tellen,

    Et was en Stücke Arwet met uns wilden Gesellen.

    Hai is üewerhaupt bi uns unvergiatten,

    Alleyn wiagen sinem gurren Hiatten.

    Hai harre fiar dian Sport und de Jugend viell Sinn

    Un lait uns ouk mol fiar fiv Pennige rin.

    Fiar unse Ellern wor Schwemmen Papperlapapp,

    Se hallen uns met diarn Grosken knapp.

    Um uns mol en paar Pennige te sparen,

    Gengen vie in der Noveskopp Kinger verwahren.

    No diam Frieschwimmen winkere der schöunste Louhn:

    Dat Sprungbriatt – fiar uns de Hauptattraktioun.

    Dat nix passeere, wann vie laipen un sprungen,

    Wor ümme dat Briatt en Opniammer bungen.

    Wat sieck do avspiellte, is kaum te beschriewen,

    Unse jungen Lüe konnt et nit doller driewen.

    Angest viarm Water kannte me nit,

    Vie hopseren rin te tweyt un te dritt,

    Un manches Mol op diarn viardersten drop,

    Met en Beynen et eyste oder met em Kopp.

    En Juchzen un Kriesken imme höggesten Ton,

    Me konn sien eygen Wort nit verstohn.

    Owwer leider duere dat groute Pleseer

    Blouß van twey Uhr middags bit kuatt viar veer.

    Dann harren dai Jungens iarre Badetiet.

    Tehoupe met uns Miakens – dat gafte et mit.

    Doch vie woren nit ut diam Water te schlohn.

    De Bademester raip imme strengen Ton:

    „Raus jetzt, ich lasse die Jungens herein,

    Die Mertens muß immer die letzte sein“.

    Et Grete un vie alle packeren fix unse Saken,

    De Hoore konnen vie uns buten maken.

    Vertellen und Kickstern wor noch lange nit am Eng,

    Bit me schließlich viar Hunger no Heyme geng.

    Un met diam Wunske un heyten Verlangen,

    De Petrus möchte ouk moren de Sunne ruthangen.

    Wann me jung is, bruket me keinen Komfort,

    Vie woren met wennigem glücklich – nit wohr?

    Nit alles hen, üewersaat, luter fin –

    En wennig Hunger lehrt de Mensken dankbar sin.

    Nu is vergangen alt lange der Jugend Schwung,

    Imme Hiatten ower bliewet de Erinnerung.

    Und hier die Übersetzung ins Hochdeutsche für alle, die das Attendorner Platt nicht (richtig) verstehen:

    Schwimmsport damals …

    Wenn man zurück denkt – vor fünfzig Jahren,

    als wir noch junge Backfische waren,

    heutzutage sagt man Teenager und Twen,

    früher Röcke, jetzt Hosen drei Nummern zu eng,

    voller Lust, einmal über die Stränge zu schlagen,

    nicht anders als bei jeder jungen Generation;

    und Singen und Tanzen und anderen Klamauk

    verstanden wir auch, wie ihr wisst.

    Die größte Sehnsucht im Sommer galt

    unserer alten Städtischen Badeanstalt:

    Eine Holzbaracke, über die Bigge montiert,

    von uns Kindern geliebt und heiß begehrt.

    Das Wasser war selten über achtzehn Grad,

    das „Tiefe“ abgetrennt mit einem Stück Draht.

    Umkleidekabinen ohne Tür,

    da hielt dann einer ein Handtuch davor,

    damit einen ja keiner im Hemd sah. –

    Ja, vor fünfzig Jahren, da schämte man sich noch.

    Keine Dusche, kein Desinfektionsapparat,

    für die Bigge waren wir immer fertig.

    Wir lernten schnell schwimmen mit anderen im Wettbewerb

    oder beim Bademeister Höffer an der Angel.

    „Eins-zwei-drei, eins-zwei-drei“ höre ich ihn noch zählen,

    es war ein Stück Arbeit mit uns wilden Gesellen.

    Er ist überhaupt bei uns unvergessen,

    allein wegen seines guten Herzens.

    Er hatte für den Sport und die Jugend viel Sinn

    und ließ uns auch einmal für fünf Pfennig rein,

    für unsere Eltern war Schwimmen Unsinn,

    sie hielten uns mit den Groschen knapp.

    Um mal ein paar Pfennige zu sparen,

    gingen wir in der Nachbarschaft Kinder verwahren.

    Nach dem Freischwimmer winkte der schönste Lohn:

    Das Sprungbrett – für uns die Hauptattraktion.

    Dass nichts passierte, wenn wir liefen und sprangen,

    war um das Brett ein Aufnehmer gebunden.

    Was sich da abspielte, ist kaum zu beschreiben,

    unsere jungen Leute (von heute) können es nicht toller treiben.

    Angst vorm Wasser kannten wir nicht,

    wir hopsten rein zu zweit und zu dritt,

    und manches Mal auf den Vordersten drauf,

    mit den Beinen zuerst oder mit dem Kopf.

    Ein Jauchzen und Kreischen in höchsten Tönen,

    man konnte sein eigenes Wort nicht verstehen.

    Aber leider dauerte das große Vergnügen

    bloß von zwei Uhr mittags bis kurz vor vier.

    Dann hatten die Jungen ihre Badezeit.

    Zusammen mit uns Mädchen – das gab es nicht.

    Doch wir waren nicht aus dem Wasser zu bekommen.

    Der Bademeister rief im strengen Ton:

    „Raus jetzt, ich lasse die Jungens herein,

    Die Mertens (Grete Mertens) muss immer die letzte sein“.

    Die Grete und wir alle packten schnell unsere Sachen,

    die Haare konnten wir uns draußen machen.

    Erzählen und Kichern war noch lange nicht vorbei,

    bis man schließlich vor Hunger nach Hause ging.

    Und mit dem Wunsch und heißen Verlangen,

    der Petrus möge auch morgen die Sonne heraushängen.

    Wenn man jung ist, braucht man keinen Komfort,

    wir waren mit wenigem glücklich – nicht wahr?

    Nicht alles haben, übersatt, immer fein –

    ein wenig Hunger lehrt die Menschen dankbar zu sein.

    Nun ist vergangen schon lang der Jugend Schwung,

    im Herzen aber bleibt die Erinnerung.

    Mit freundlicher Genehmigung der Familie Wagener, Bensberg

    aus dem Band „Heymot“ von Josefine Wagener-Zeppenfeld  „Kannengeiters Fine“

    Schützenfest in Attendorn

    Da an jedem ersten Wochenende im Juli das traditionelle Schützenfest in der Hansestadt gefeiert wird, veröffentlichen wir passend dazu im Juli das Gedicht „Schüttenfest in dian twintiger Johren“ von Josefine Wagener-Zeppenfeld in dieser Rubrik mit der freundlichen Genehmigung der Familie Wagener.

    Schüttenfest in dian twintiger Johren

    Wann de Wiysen voll Blaumen un et Koren riepet,

    Junge Lülinge in dian Nestern piepet,

    Imme Garen voll Bounen de Fickesstaken,

    Kumpesblare daut wiet ümme siek raken –

    Wann de Haunder siyk imme Melme plüstert,

    De Wieweslüe de Ecken rüstert,

    Un de Schüttenfahne hualt ut dr Kommode,

    Viarm Huse fien kiart de Guatte un Stroote

    Un Strüßken werd bungen met Rousenn und Ginstern,

    Dr. Suerbroen duftet ut Diarren und Finstern –

    Un gengen dai Prentlers met dr Trommel diar de Staadt,

    Dann wußte me et siyker: Nu dait siyk wat!

    Nu geyt et loß, nu is et souwiet:

    Schüttenfest! – Attendorns houge Tiet!

    Et lagden ald prot, stiefstoots, akkerot,

    Hiymmetkragen un Schmiesken,

    Un et Klärchen un et Liesken

    Harren de Hoore siyk onduleyert,

    Woren op et findeste utsaffeyert.

    De Neggeske kleyere se in Crepe de Chine –

    Me konn jo womüegliek Ehrendame sin.

    Un wiam guall Sunnowends dai ganze Stoot?

    Em Militärkonzert met em Kapellmeister Deisenroth.

    No fivtig Johren, van uns unvergiatten,

    Hiat ouk Attendoorn en Platz in synem Hiatten.

    Dr Schüttenfest-Sunndag dann

    Fong met dr Misse in dr Kiarke aan.

    Unse Schütten konnt nit blouß fiarn,

    Unse Schütten konnt ouk bian!

    Do stongen se proper Mann fiar Mann

    Unger dr Fahne vam Hl. Sebastian

    Un sin bie dr Fronleichnamsprozessioun

    Diat Baldachins Ehrenformatioun.

    No dr Misse wor imme Schüttenzelt,

    Frühschoppen fiar dai Männerwelt.

    Se wollen dann geren unger siyk sin,

    Fraulüe liatten se net rin.

    Nummedags dann harren vie Kingr unse Riek:

    Buten op diam Schüttenplatze druwwelde et siyk.

    En kunterbunt Liawen, en Gewimmel, en Vertell,

    „Hauet den Lukas“, Luftschaukel, Karussel.

    Souviyll schöüne Saaken an jedem Stand –

    Vie telleren unse paar Grosken in dr Hand

    Fiarn Liawkaukenhiatte, met diat Sprüykelkens Zier:

    „Ich bin dir drei, vier und vier“.

    Amme Mundag dann de Wachtparade

    Viarm Schürmann, an der Promenade.

    „Guten Morgen, Schützenbrüder“, raip hai dann,

    Un alle tehoue: „Guten Morgen, Herr Hauptmann!“

    „Ihr Schüzen, seht her, präsentiert das Gewehr!“

    Fiar uns Kinger wor dat wat,

    Vie drückeren uns amme Brinkers Tune de Nase platt.

    Met viyll Volk imme Schleppetaue

    Geng et op de Vuelsraue.

    Do word ümme de Küennigswürde rungen,

    Nu blouß noch et Stätzken, dann lyett he ungen.

    Wor ouk de Twialwe op dr Schiewe druappen,

    Stongen Jubel un Trubel alle Diaren uappen.

    De Küinnige schmücket met dr Medaillenkette –

    Un manch eyner mochte berappen fiar ne verloane Wedde.

    Nummedags Festzug diar Attendoorns Strooten –

    Wai mochte siyk dian drdiar gohn looten:

    Lanzenträger, Paukenschläger,

    Heymotsang un Trommelklang,

    Unse Franke met em Schellenboum,

    Sienes Johres Sehnsuchtsdroum.

    An jeder Sye – winkeren Lüe

    Dian Küennigen tau, imme würdigen Rahmen

    Iarrer störigen Ehrendamen.

    Schüttenküennigs Hofstaats goldener Schien,

    Küennig met Würde – doch ganz ohne Bürde:

    Dat möchte manch fürstlicher Küennig wall sin!

    Und hier – wie immer – für die des Attendorner Platt nicht Mächtigen die hochdeutsche Übersetzung von Gereon und Margot Wagener:

    Schützenfest in den Zwanziger Jahren

    Wenn die Wiesen voller Blumen sind und das Korn reift,

    junge Spatzen in den Nestern piepen,

    im Garten die Bohnenstangen voll Bohnen

    Kohlblätter weit um sich reichen –

    wenn sich die Hühner im Dreck plustern,

    die Weibsleute die Ecken putzen

    und die Schützenfahne aus der Kommode holen,

    vorm Hause die Gasse und Straße fein kehren

    und Sträußchen aus Rosen und Ginster gebunden werden,

    der Sauerbraten aus Türen und Fenstern duftet –

    und gehen die Prentlers (Attendorner Familie) mit der Trommel durch die Stadt,

    dann wusste man es sicher: Nun tut sich was!

    Nun geht es los, nun ist es soweit:

    Schützenfest – Attendorns hohe Zeit!

    Es lagen schon fertig, feinsäuberlich, akkurat,

    Hemdkragen und Chemisettchen (Zierleibchen)

    und das Klärchen und das Lieschen

    haben sich die Haare gelockt,

    waren auf das Feinste ausstaffiert.

    Die Näherin kleidete sie in Chinesische Seide –

    man könnte ja wohlmöglich Ehrendame sein.

    Und wem galt samstags die ganze Stadt?

    Dem Militärkonzert mit dem Kapellmeister Deisenroth.

    Nach fünfzig Jahren von uns unvergessen,

    Hat auch Attendorn ein Platz in seinem Herzen.

    Der Schützenfest-Sonntag dann

    fängt mit der Messe in der Kirche an.

    Unsere Schützen können nicht bloß feiern,

    unsere Schützen können auch beten.

    Da stehen sie fein säuberlich Mann für Mann

    unter der Fahne vom Heiligen Sebastian

    und sind bei der Fronleichnamsprozession

    die Ehrenformation des Baldachins.

    Nach der Messe war im Schützenzelt

    Frühschoppen für die Männerwelt.

    Sie wollen dann gerne unter sich sein,

    Frauen ließen sie nicht rein.

    Nachmittags dann hatten wir Kinder unser Reich:

    Draußen auf dem Schützenplatze knubbelte es sich.

    Ein kunterbuntes Leben, ein Gewimmel, ein Gerede,

    „Haut den Lukas“, Luftschaukel, Karussell.

    So viele schöne Sachen an jedem Stand –

    wir zählten unsere paar Groschen in der Hand

    für ein Lebkuchenherz, mit einem Sprüchlein als Zier:

    „Ich bin dir treu, für und für.“

    Am Montag dann der Schützenzug

    vor dem Schürmann (alte Villa), an der Promenade.

    „Guten Morgen, Schützenbrüder“, rief er dann,

    und alle zusammen: „Guten Morgen, Herr Hauptmann!“

    „Ihr Schützen, seht her, präsentiert das Gewehr!“

    Für uns Kinder war das was,

    wir drückten uns an Brinkers Zaun die Nase platt.

    Mit viel Volk im Schlepptau

    ging es auf die Vogelsrute (Hügel vor Waldenburg).

    Dort wurde um die Königswürde gerungen,

    nun bloß noch die Schwanzfedern, dann liegt er unten.

    War auch die Zwölf auf der Scheibe getroffen,

    standen Jubel und Trubel alle Türen offen.

    Die Könige schmückten sich mit der Medaillenkette –

    und manch einer mochte für eine verlorene Wette bezahlen.

    Nachmittags Festzug durch Attendorns Straßen –

    wer mochte sich das dadurch gehen lassen:

    Lanzenträger, Paukenschläger,

    Heimatgesang und Trommelklang,

    Unser Franke (Herr Franke) mit dem Schellenbaum,

    seines Jahres Sehnsuchtstraum.

    An jeder Seite winkten Leute

    den Königen zu, im würdigen Rahmen

    ihrer schönen Ehrendamen.

    Der Schützenkönige Hofstaat goldener Schein –

    König mit Würde – doch ganz ohne Bürde:

    Das möchte manch fürstlicher König wohl sein!

    Geschrieben: Oktober 1985

    Einmal noch ……

    Hier ein neues Gedicht aus dem Band HEYMOT Gedichte aus Attendorn von Josefine Wagener-Zeppenfeld mit freundlicher Genehmigung der Familie Zeppenfeld in Bensberg:

    Eynmol noch…

    Manniges Mol geyt miene Sehnsucht doji-en,

    Noch eynmol ase Kind ter Heyme te sin.

    Eynmol noch met Hiattekloppen de Schulbank drücken.

    Imme Fröijohr in der Stesse Schlü-ettelblaumen plüggen.

    Eynmol noch en Leierwagen no der Blaike trecken,

    Eynmol noch in der Noveskopp Panhas lecken.

    Op stiller Stroote noggemol em Versaihgang begian,

    Der Missedainer met em Glöckelken, der Pastoer met unsem Häärn.

    Eynmol noch met em Avsatz Kühlchen dreggen

    Un si-ek üewwern Büel voll Knicker fröggen.

    Eynmol noch met em gesunden Rüggen

    Wolperten, Himperten, Bremmerten plüggen.

    Eynmol noch met em Opa diar de Wäller strieken,

    Op sienen Schullern in en Vuelsnest kieken.

    Eynmol noch wippend op der Schopsbrügge stohn

    Un dann ungerm Schnellmerich diar de Leime gohn.

    Eynmol si-ek noch op Fronlichnam fröggen,

    Ase Engelken am Altore Blaumen ströggen.

    Eynmol noch „töle, töle“ singen

    Un fiar de Ehrenpoote Girlanden bingen.

    Eynmol noch bi der Bischofsvisite en Gedicht opsi-en,

    Un van der Lehrin dann en schöin Bi-elleken kri-en.

    Eynmol noch op der Listersperre Schlittschau föern

    Un unse Ante sellig de Kapelle dirigeyern.

    Eynmol si-ek noch amme Hai-Houpen ruggen,

    Eynmol noch üewwer de Guatte en Brückelken buggen.

    Eynmol noch imme Fallenrock Ski-föern gohn,

    Wo ve em Berge raff ase ne Prima Ballerina utso-en.

    Eynmol noch et Glökelken kleppen hören,

    Dat ve ouk frouh genaug in der Kerke wören.

    Eynmol noch imme Herwest en Auwer flämmen,

    un dai Nout dann, et Fü-er wier intedämmen!

    Eynmol op em Schaulplatz met dian Kingern, dian vi-ellen

    Noch Ringelreihen un Hüppekästchen spi-ellen.

    Eynmol noch op diam Karussel en Perreken ri-en,

    Owends met der Puppe noggemohl im Kingerberre li-en.

    Und hier wie immer die deutsche Übersetzung:

    Einmal noch…

    Manches Mal geht meine Sehnsucht dahin,

    noch einmal als Kind zu Hause zu sein.

    Einmal noch mit Herzklopfen die Schulbank drücken,

    im Frühjahr in der Stesse (Wiese in Attendorn) Schlüsselblumen pflücken.

    Einmal noch einen Leiterwagen zur Bleiche ziehen,

    einmal noch in der Nachbarschaft Blutwurst essen.

    Auf ruhiger Straße noch einmal einem Versehgang (Krankenbesuch des Pfarrers) begegnen,

    der Messdiener mit dem Glöckchen, der Pastor mit unserem Herrn.

    Einmal noch mit dem Absatz Kuhlen drehen (Löcher auskratzen)

    und sich über einen Beutel voll Klicker freuen.

    Einmal noch mit einem gesunden Rücken

    Waldbeeren, Himbeeren, Brombeeren pflücken.

    Einmal noch mit dem Opa durch die Wälder streifen,

    auf seinen Schultern in ein Vogelnest gucken.

    Einmal noch wippend auf der Schafsbrücke (Brücke über die Bigge für Schafe) stehen und dann unter der Burg Schnellenberg durch die Leime (bekannter Fußweg) gehen.

    Einmal sich noch auf Fronleichnam freuen,

    als Engelchen am Altar Blumen streuen.

    Einmal noch „töle, töle“ (Lied, das am Altar gesungen wurde, wenn die Bäume für die Prozession aufgestellt wurden) singen

    und für die Ehrenpforte (eins der vier Stadttore von Attendorn) Girlanden binden.

    Einmal noch beim Besuch des Bischofs ein Gedicht aufsagen,

    und von der Lehrerin dann ein schönes Heiligenbildchen bekommen.

    Einmal noch auf der Listertalsperre Schlittschuh laufen

    und unser Ante (Attendorner Kapellmeister) selig die Kapelle dirigieren.

    Einmal sich noch am Heuhaufen ausruhen,

    einmal noch über die Gosse ein Brückchen bauen.

    Einmal noch im Faltenrock Skifahren gehen,

    wo man vom Berge herab wie eine Prima Ballerina aussah.

    Einmal noch das Glöckchen (das zur Heiligen Messe ruft) läuten hören,

    dass wir auch früh genug in der Kirche wären.

    Einmal noch im Herbst ein Ufer flämmen (abbrennen),

    und die Not dann, das Feuer wieder einzudämmen!

    Einmal noch auf dem Schulhof mit den Kindern, den vielen

    Ringelreihen und Hippekästchen spielen.

    Einmal noch auf dem Karussell ein Pferdchen reiten,

    abends mit der Puppe noch mal im Kinderbette liegen.

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